Bienenwachs – wie wird es hergestellt?

Bienenwachs wird zunächst von den Bienen selbst hergestellt. Das ist vor allem die Aufgabe der Baubienen, die 13–18 Tage alt sind. Diese erzeugen mit ihren voll ausgebildeten Wachsdrüsen am Hinterleib sogenannte Wachsplättchen. Bevor aus den Plättchen aber Bienenwachs wird, befördert die Biene sie zu ihren Mundwerkzeugen. Jetzt gehts ans große Kauen und Kneten. Das Wachs wird somit formbarer und trüber – und ähnelt direkt dem Bienenwachs, wie wir es kennen.

Da die Herstellung von Bienenwachs auch Energie kostet, fressen die Bienen von April bis Juni mehr Nektar und Pollen, als normalerweise. Die gewonnene Energie reicht für mehrere hundert Gramm Honig, wird aber von den Bienen in die Herstellung von Wachs investiert. 

Bei den Bienen kommt der Bienenwachs in erster Linie für den Bau der Waben zum Einsatz. Zuerst werden die Waben übrigens rund gebaut und anschließend wird das Wachs von den Bienen erwärmt. Erst dadurch entsteht auch die berühmte sechseckige Form der Bienenwabe.

Ein einzelnes Bienenvolk produziert innerhalb eines Jahres ungefähr 500–800 Gramm des Wachses – natürlich abhängig von der tatsächlichen Größe des Volks. Um das Ganze in Zahlen zu fassen: Für ein Kilogramm Bienenwachs müssten die Bienen 1 Million Wachsplättchen produzieren. Eine Menge Arbeit also!

Durch vorgefertigte Wachsplatten sparen die Bienen allerdings Zeit und Energie und der Imker kann die Waben entnehmen, ohne sofort den ganzen Bau zu zerstören. 

Gewinnung durch den Imker

Imker beim Abfüllen von Wabenhonig.

Damit der Imker das von den Bienen hergestellte Wachs auch verwenden kann, muss er es einschmelzen. Das kann auf unterschiedliche Weisen erfolgen. Am schonendsten für die Umwelt ist dabei eine Sonnenwachsschmelze. Wie der Name schon sagt wird das Wachs dort mit der alleinigen Kraft der Sonne verflüssigt. Dieser Vorgang kann sich allerdings einige Zeit ziehen und ist auch nur bei kleineren Imkereien mit 3–4 Bienenvölkern empfehlenswert. Noch dazu muss natürlich das Wetter mitspielen

Man kann die Waben auch kochen und somit stark erhitzen. Die Waben werden nach dem Schleudern entweder eingeschmolzen, oder der Imker entnimmt alte Brutwaben zur Wabenhygiene und schmelzt diese ein. 

Auch technische Geräte wie eine Dampfwachsschmelze können zum Schmelzen des Wachses eingesetzt werden. Da es diese modernen Geräte in den unterschiedlichsten Größen gibt, sind sie vor allem in größeren Imkereien ein wahrer Zeitsparer. 

Bei allen Möglichkeiten kann und sollte das Wachs im Anschluss noch gefiltert werden, um unerwünschte Rückstände zu entfernen.

Wozu benötigt der Imker das Bienenwachs?

Der Imker benötigt das Bienenwachs in erster Linie, um Mittelwände für den Bienenstock herzustellen. Das sind Wachsplatten mit einer bestimmten Form, an der sich die Bienen beim Bauen orientieren

Lässt der Imker seine Bienen bauen, wo sie wollen, entsteht ein sogenannter Wildbau. Dieser ist nicht nur unübersichtlich, sondern auch schwieriger zu entnehmen

Um besonders gutes und festes Wachs für Mittelwände zu erhalten gibt es zwei Geheimtipps:

  • nach dem Schmelzen sollte das Wachs noch mindestens eine Woche rasten und 
  • beim Schmelzen an sich sollte das Wachs nur erhitzt und geschmolzen, aber nicht gekocht werden. 

Zum Erstellen einer solchen Mittelwand besitzen die meisten kleinen Imker eine Silikonform mit Wasser- oder Luftkühlung. Bei richtig großen Betrieben scheidet diese Methode allerdings aus und es wird auf effizientere Maschinen mit Walztechnik gesetzt. Diese bringt allerdings auch hohe Anschaffungskosten mit sich, weshalb so ein Kauf gut überlegt sein sollte. 

Privat kann aus dem Wachs aber noch weit mehr als nur die Mittelwände entstehen. Von Kerzen, Lippenpflegestiften bis hin zu Bienenwachstüchern sind der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt. Sogar als Leder- und Holzpflege hat sich das Bienenwachs bereits bewährt

Die vielen Möglichkeiten zum Selbermachen erlauben es vor allem, eine Menge an Geld zu sparen, was man sonst in allerlei verschiedene Produkte investieren würde, die bestimmt nicht halb so natürlich wären.

Inhaltsstoffe und Eigenschaften von Bienenwachs

Bienenwachs werden so einige positive Eigenschaften nachgesagt. Kein Wunder bei den über 300 enthaltenen Inhaltsstoffen. Eine wichtige und beliebte Eigenschaft ist seine antiseptische und antibakterielle Wirkung, die durch bestimmte Substanzen und Verbindungen innerhalb des Bienenwachses zustande kommt. Auch der Anteil von Vitamin A ist hier mit rund 41.000 Internationalen Einheiten nicht zu unterschätzen.

Da so eine große Menge an verschiedenen Inhaltsstoffen im Bienenwachs zu finden ist, ist jeder einzelne davon nur in einer geringen Menge darin vorhanden. Vier dieser Stoffe haben jedoch eine Konzentration von über 5 % und nehmen daher den größten Anteil in diesem äußerst interessanten Gemisch ein. Dazu gehören Kohlenwasserstoffe, Fettsäuren, Fettsäureester und Alkohole

Das Bienenwachs lässt sich übrigens nur mit Alkohol lösen, nicht mit Wasser. Das ist auch der Grund, weshalb es für den Menschen unverdaulich ist.

Verwendungsmöglichkeiten für den Menschen

Durch die vielen positiven Eigenschaften von Bienenwachs finden sich auch unzählige Anwendungsgebiete für den Menschen. Besonders im Bereich Gesundheit zeigt sich Bienenwachs von seiner besten Seite und kann mit allerlei hilfreichen Eigenschaften überzeugen.

  • In der Medizin und Pharmazie wird das Bienenwachs bereits erfolgreich gegen Bakterien, Pilze, Flechten und Ekzeme eingesetzt. Hierbei spielt vor allem die antibakterielle und antiseptische Wirkung des Wachses eine große Rolle.
  • In der Hautpflege gilt das Bienenwachs als Wundermittel bei trockener, empfindlicher, geschädigter und/oder spröder Haut sowie als Anti-Aging-Mittel. Ein echtes Allround-Talent also!
  • Verbrennungen und Hauterkrankungen von Tieren können ebenfalls mit Bienenwachs behandelt werden, was das Bienenprodukt nicht nur für den Menschen nützlich macht.

Das Beste ist, dass Bienenwachs zu 100 % natürlich ist und keine bedenklichen oder künstlich zugefügten Inhaltsstoffe für böse Überraschungen sorgen.

Auch, wenn das auf den ersten Blick viel aussieht, waren das nur einige wenige Beispiele für die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten von Bienenwachs. Von dem Wachs der Bienen können Mensch und Tier noch auf unzählige weitere Weisen profitieren.

Weitere ausführliche Informationen zum Thema, sowie Studien und DIY-Anleitungen, sowie Videos findet Ihr hier.

Trotz allem darf eine wichtige Information nicht fehlen: Wie bei allen Produkten von Bienen gilt hier auch besondere Vorsicht bei Allergikern (Pollen, Bienenstiche,…), um unerwünschte oder gar gefährliche allergische Reaktionen auf das Bienenwachs ausschließen zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.