Der Bienenstaat und seine Mitglieder

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Ein Bienenstaat sieht auf den ersten Blick aus, wie ein völliges Durcheinander. Bis zu 80.000 einzelne Bienen summen in einem Bienenvolk hin und her. Doch was aussieht, wie das blanke Chaos, ist in Wirklichkeit ein hoch organisierter Super-Organismus. Jede Biene im Stock hat ihre Rolle, der sie fleißig nachgeht.

Diese Dokumentation vom SWR erklärt sehr schön, wie das Zusammenleben im Bien aussieht, welcher Arbeit die Bienen im Laufe ihres Lebens nachgehen und weiteres…

Denn so ein Bienenstaat und jeder seiner Einwohner hat nur ein Ziel: Und zwar das Überleben dieses Volkes und das seiner Nachkommen zu sichern. Damit dieses Ziel auch erreicht werden kann, gibt es bei den Bienen eine strikte Rollenverteilung. Diese teilt sich in Arbeiterinnen, Drohnen und die Königin auf. Diesen durchorganisierten Organismus nennt man auch einen “Bien”.

Die Mitglieder des Bienenstaates

Man kann es sich so vorstellen, dass jede einzelne Biene eine Zelle des Organismus ist. Tagsüber trennen sie sich und finden nachts aber wieder zueinander zurück. Auch im Winter sind die Bienen unzertrennbar und die Pollenflüge werden eingestellt. Als ein großes Ganzes versuchen sie dann, sich durch Zittern warmzuhalten. Eine Überlebensstrategie, die als einzelnes Individuum gar nicht funktionieren würde.

Dieses Beispiel funktioniert genauso, wenn es draußen heiß ist: Dann wird der Stock befeuchtet und mit den Flügeln geschlagen, bis es sich wieder abgekühlt hat. Und der Stock hat nicht nur seine eigene Klimaanlage. Auch das Überwachungssystem des Stocks funktioniert bestens. Eindringlinge werden sofort angegriffen und wieder hinausbefördert.

Eine beeindruckende Leistung der Natur. Welche Bienen dabei für was genau zuständig sind, erfahrt ihr hier.

Die Bienenkönigin

Jeder Bienenstock hat eine Königin. Und zwar immer nur genau eine, nicht mehr und nicht weniger. Diese Königin lebt im Gegensatz zu den anderen Bienen eine erstaunlich lange Zeit: Bis zu 5 Jahre werden die Bienenköniginnen alt.

Doch wie wird eine Biene überhaupt zu einer Königin?

Sie entwickeln sich wie die Arbeiterinnen auch nach ungefähr 3 Tagen aus befruchteten Eizellen und unterscheiden sich auch als Larve nicht von den angehenden, normalen Arbeiterinnen. Allerdings werden die werdenden Königinnen während des gesamten Larvenstadiums mit einer speziellen Nahrung von den Ammenbienen gefüttert: Dem sogenannten Gelée Royale, welches in den Kopfdrüsen der Ammenbienen erzeugt wird.

Dazu werden sie in eigenen Zellen aufgezogen, die man auch Weiselzellen nennt. Eine Königin wird übrigens immer nur dann herangezogen, wenn sich der Schwarm teilt, die alte Königin stirbt, oder sie aus Altersgründen ersetzt werden muss.

Nach ungefähr 16 Tagen ist es dann soweit und die junge Königin schlüpft. Da es zu diesem Zeitpunkt mehrere angehende Königinnen gibt, muss die Königin, die als erstes geschlüpft ist, alle anderen nachfolgenden Rivalinnen mit ihrem Stachel umbringen – schließlich darf es pro Bienenvolk immer nur eine Königin geben. Äußerlich unterscheidet sie sich durch einen deutlich längeren Hinterleib von den anderen Bewohnern des Stocks.

Ist die einzig wahre Königin “gekürt”, begibt sie sich 1–3 Wochen nach dem Schlüpfen auf ihren Hochzeitsflug mit den Drohnen der Umgebung. Dabei nimmt sie einmalig bis zu 10 Millionen Spermien in ihre Samenblase auf und legt von da an täglich bis zu 2000 Eier in die Brutzellen, die entweder befruchtet oder auch unbefruchtet sind. Aus den befruchteten werden die Arbeiterinnen (und eines Tages auch die neue Königin) und aus den unbefruchteten die Drohnen.

Neben dem Eierlegen übernimmt die Königin auch noch die Steuerung des Stocks. Das geschieht durch Pheromone, welches das Lernverhalten der Bienen beeinflussen und den Schwarm zusammenhalten. Auch signalisiert die Königin durch dieses Pheromon den richtigen Zeitpunkt für die Aufzucht einer neuen Bienenkönigin.

Jedes Jahr macht sie Platz für eine Nachfolgerin und schwärmt im Frühsommer mit tausenden Bienen aus. Durch die Signale wird dann eine neue Larve mit dem Gelée Royale ernährt und in den dafür vorgesehenen Weiselzellen herangezogen. Eine neue Königin entsteht.

Arbeiterinnen

Die Arbeiterin, hier zu sehen beim Sammeln von Nektar und Pollen. Auch sehr gut Sichtbar, ihre orangen Pollenhöschen.

Die meisten Bewohner des Stocks sind Arbeiterinnen. Ohne sie könnten weder Königin noch Drohnen existieren. Sie wachsen aus einem befruchteten Ei heran und schlüpfen nach 21 Tagen vollentwickelt samt Giftstachel zur Verteidigung. Im Gegensatz zu der Königin werden Arbeiterinnen nur anfänglich mit Gelée Royale gefüttert. Später beschränkt sich die Ernährung auf Nektar, Pollen und Wasser.

Werden sie im Sommer geboren, beträgt ihre Lebenserwartung in etwa 6 Wochen. In denen arbeiten sie was das Zeug hält und werden somit ihrem Namen mehr als nur gerecht. Die Arbeiterinnen übernehmen beinahe alle wichtigen Aufgaben im Stock. Wann welche Arbeiterin sich um was kümmert, hängt vom Alter ab.

In den ersten 3 Tagen nach dem Schlüpfen kümmert sie sich darum, dass die Zellen gesäubert werden, aus denen Bienen geschlüpft sind. Gleichzeitig bereitet sie die Zellen mit Hilfe von einem dünnen Propolis-Film für eine erneute Eiablage der Königin vor.

In Tag 5 und 6 ihres kurzen Lebenszeitraums bereitet die Arbeiterin die Pollen Nahrung für die Larven so wie deren Versorgung vor. Wenn die Futtersaftdrüsen der Arbeiterin nach dem 6. Tag voll ausgereift sind, kümmert sie sich weiterhin um die Versorgung der Larven sowie auch um die Ernährung der Königin mit dem eigens produziertem Futtersaft.

Bis zum 16. Tag scheidet sie wachs aus und baut damit Waben. Ebenfalls verdeckelt sie damit die Brut. Vom 17. bis zu 19. Tag fungiert die Arbeiterin dann als Wachbiene am Eingang des Stockes. Sie bereitet sich auf ihr Dasein als Trachtbiene vor und die Futtersaft- und Wachsdrüsen bilden sich zurück. Ab dem 21. Tag geht die Arbeiterin dann nur noch ausschließlich einer Tätigkeit nach: dem Sammeln von Pollen, Nektar und Wasser.

Aufgrund von diesem abwechslungsreichen Lebenszyklus werden die Arbeiterinnen in ihrem Werdegang auch als Ammenbienen, Stockbienen, Wächterbienen oder auch Baubienen bezeichnet. Und da immerzu neue Arbeiterinnen schlüpfen sind alle Arbeitsstellen im Bienenstock stets gut besetzt.

Drohnen

Drohnen besitzen keinen Giftstachel und können daher auch nicht stechen!

Die kürzeste Lebenserwartung im Bienenstock haben die männlichen Drohnen. Zwischen April und Juli werden die Drohnen im Stock benötigt, welche aus unbefruchteten Eiern heranwachsen und auch nur dann werden diese gezeugt. Zum Schlüpfen brauchen diese ein Vielfaches länger als ihre weiblichen Artgenossen24 Tage.

Bereits einige Tage nach dem Schlüpfen sind die Drohnen geschlechtsreif und begeben sich auf die Suche nach einer Königin, die sie befruchten können. Dabei handelt es sich aber nicht um die Königin aus dem eigenen Stock, da Bienen Inzucht vermeiden.

Tausende Drohnen buhlen dann manchmal um eine einzige Königin. Wer “Glück” hat und die Königin befruchten darf (das sind in dem meisten Fällen nur etwa 10–15 Drohnen), stirbt direkt nach der Befruchtung.

Den anderen ist noch eine Zeit von 30 bis 40 Tagen vergönnt, in denen sie noch im Stock akzeptiert werden. Danach verweigern die Arbeiterinnen den Zutritt und die Nahrung und fangen an, die Drohnen abzustechen, da sie nicht länger benötigt werden. Dieses Schauspiel ist auch als Drohnenschlacht bekannt.

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